Arthur Schopenhauer
Arthur Schopenhauer und seine Lebensphilosophie sowie seine Beziehung zu Tierschutz und indischen Weisheitslehren bzw. Religionen ( insbesondere Buddhismus , Upanishaden , Jainismus )
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Die neuesten Einträge aus dem RSS-Feed von Arthur Schopenhauer:
Hund und Mensch
01.05.2011 08:56
Ich muss es aufrichtig gestehen, schrieb Arthur Schopenhauer in seinen letzten Manuskripten, der Anblick j e d e s Tieres erfreut mich unmittelbar, und mir geht dabei das Herz auf; am meisten der der Hunde ... Mit seiner Tierliebe, vor allem aber mit seiner großen Zuneigung zu Hunden, stand Schopenhauer einsam in der Reihe der bedeutenden Denker seiner Zeit, ja wahrscheinlich ist er in dieser Hinsicht auch heute noch unter den weltberühmten Philosophen einmalig. Kein Zweifel, Schopenhauer liebte Hunde, insbesondere dann, wenn er an die hässlichen Eigenschaften mancher Menschen dachte: Woran sollte man, fragte er, sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der Menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Misstrauen schauen darf? Dieses Menschenbild wird sicher manche Leser schockieren. Andererseits dürfte Schopenhauer [..]
Philosophieren - warum?
18.04.2011 09:19
Es kann viele Gründe zum Philosophieren geben: Oft ist es die Schule oder die Universität, wo man sich mit Philosophie beschäftigt. Manche philosophieren aus beruflichen Gründen, also um damit ihr Brot zu verdienen. Arthur Schopenhauer hat sich über solche " Philosophen " etwas geringschätzig geäußert, denn diese würden nicht für die Philosophie, sondern von der Philosophie leben. Jedoch was heißt Philosophieren ? Das "Philosophische Wörterbuch” übersetzt das griechische Wort Philosophie mit Liebe zur Wahrheit, wobei das Wort "philosophos” zuerst vom vorsokratischen Philosophen Heraklit im Sinne von "ein nach der Natur der Dinge Forschender” verwendet worden sei. Demnach verstehe ich unter Philosophieren das Suchen nach der Wahrheit, nach der wahren Natur unseres Daseins. Hierzu gehört vor allem auch die Frage nach dem Ende des Daseins , dem Tod. Gerade diese [..]
Menschenbild
29.03.2011 10:01
Mancher würde erschrecken, wenn er den Andern sähe, wie er ist. Laut Arthur Schopenhauer, von dem obiges Zitat stammt, sehen wir die Menschen nicht so, wie sie sind, sondern nur so, wie wir sie sehen wollen. Oft stellt es sich erst spät, zuweilen zu spät heraus, wie der Mensch, dem wir vertrauten, vielleicht sogar liebten, wirklich ist. Dann kann die Enttäuschung und der Schaden groß sein. Ein Beispiel, das mich sehr betroffen macht, las ich dazu in der "Berliner Zeitung" vom 19./20. März 2011. Es geht hierbei um den Ex-Chef des Berliner Tierheims, der wegen Veruntreuung von 150.000 Euro verurteilt wurde. Das Tierheim gehört dem Berliner Tierschutzverein, der mit etwa 15.000 Mitgliedern der größte Tierschutzverein in Deutschland ist. Da ich dort bereits seit 45 Jahren Mitglied bin und ich diesen, nunmehr verurteilten ehemaligen Leiter des Tierheims aus zahlreichen [..]
Sexualität - Geschlechtsliebe
17.03.2011 09:54
Wenn man ... die wichtige Rolle betrachtet, welche die Geschlechtsliebe (so nennt Arthur Schopenhauer die Sexualität ) in allen ihren Abstufungen und Nuancen, nicht bloß in Schauspielen und Romanen, sondern auch in der wirklichen Welt spielt, ... da wird man veranlaßt auszurufen: Wozu der Lärm? Wozu das Drängen, Toben ... ? Es handelt sich ja bloß darum, daß jeder Hans seine Grete finde: weshalb sollte eine solche Kleinigkeit eine so wichtige Rolle spielen und unaufhörlich Störung und Verwirrung in das wohlgeregelte Menschenleben bringen? Nur eine Kleinigkeit? - Keineswegs, denn immerhin hat Schopenhauer dem Thema Sexualität ein ganzes Kapitel ( Metaphysik der Geschlechtsliebe ) in seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung eingeräumt. Dort hebt er hervor: Der Endzweck aller Liebeshändel ... ist wirklich wichtiger als alle andern Zwecke im Menschenleben, und daher [..]
Karlheinz Deschner : Aphorismen
21.02.2011 09:39
Karlheinz Deschner, einer der bedeutendsten Kirchenkritiker unserer Zeit, gehört zu den vielen Querdenkern, die von Arthur Schopenhauer geprägt, ja - wie Deschner selbst äußerte - "aufgewühlt" wurden. Wie sehr Arthur Schopenhauer ihn geprägt hat, wurde mir besonders deutlich, als ich vor einigen Tagen Deschners Bissige Aphorismen las. Dort fand ich viele Sprüche, die mich in Inhalt und Stil an Schopenhauers Aphorismen erinnerten. Vor allem Deschners wirklich bissige Aphorismen zum Thema "Religion und Klerus" sind, wie ich meine, ganz im Sinne Schopenhauers. Dazu einige Kostproben: - Religionen sind Fertighäuser für arme Seelen. - Es ist bekannt, doch darf daran erinnert werden: Die Freiheit eines Christenmenschen beginnt mit der Zwangstaufe. - Sie verzeihen es mir nie, daß sie so abscheulich sind, wie ich sie geschildert habe. - Von allen Heiligen mag ich allein die [..]
Herz und Kopf
08.02.2011 08:25
Was dem Herzen widerstrebt, läßt der Kopf nicht ein. Arthur Schopenhauer hat hier eine Wahrheit ausgesprochen, die für das Denken und Handeln des Menschen von größter Bedeutung ist. So habe ich bei meiner Öffentlichkeitsarbeit für den Tierschutz immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass selbst die besten Argumente und eindringlichsten Bilder nichts helfen, wenn die Menschen sich einfach weigern, diese zur Kenntnis zu nehmen. Was Schopenhauer hier als Herz bezeichnet, symbolisiert das Innerste des Menschen. Im Herzen steckt der Mensch, nicht im Kopf - womit sich Schopenhauer auf das eigentliche Wesen des Menschen bezieht. Es äußert sich in seinem Charakter, in seinen Gefühlen. Im Gegensatz zu fast allen bedeutenden Philosophen seiner Zeit erkannte Schopenhauer, dass der Mensch weit mehr von seinen Gefühlen geleitet wird als von seinem Intellekt. Diese damals [..]
Jainismus - Religion ohne Gewalt
06.01.2011 12:01
Von Natur, meinte Arthur Schopenhauer, würde nicht das Recht, sondern die Gewalt auf Erden herrschen. Auch heute noch stoßen wir in allen Bereichen des Lebens auf Gewalt. Das gilt mehr oder minder auch für die Religionen, verdanken sie doch selbst ihre weltweite Verbreitung in starken Maße der Gewalt. So zeigt ein Blick in die Geschichte, dass die konfessionelle Verteilung in der Welt, auch in Deutschland, weitgehend das Ergebnis von Kriegen, das heißt der erfolgreichen Ausübung von Gewalt ist. Eine unerfreuliche und im Sinne politischer Opportunität unerwünschte, aber leider wahre Feststellung. Um so ermutigender ist die Tatsache, dass es Ausnahmen gibt. Eine solche Ausnahme, und zwar in sehr eindrucksvoller Weise, ist eine uralte indische, auch heute noch existierende, durchaus lebendige Religion, nämlich der Jainismus. Schon vor fast 200 Jahren erwähnte Schopenhauer diese, [..]
Kalenderspruch
25.12.2010 08:24
Das könnte auch von Arthur Schopenhauer sein: Weise Weihnacht wäre wichtiger als weiße Weihnacht. Klaus Klages Kommentare
ZEN und Schopenhauer
21.12.2010 09:33
Im Mittelpunkt dieses Blogs steht Arthur Schopenhauers praxisorientierte Lebensphilosophie. Schon deshalb ist der folgende Beitrag keine wissenschaftlich-theoretische Abhandlung über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ZEN und Schopenhauer. ZEN, entstanden im Laufe von fast zwei Jahrtausenden aus buddhistischer und taoistischer Mystik, ist Spiritualität, welche die Grenzen des in Worten Beschreibbaren überschreitet. Dennoch gibt es inzwischen derart viele Bücher über ZEN, dass ganze Bibliotheken damit gefüllt werden können. Ich möchte nun gar nicht erst versuchen, das Unbeschreibbare zu beschreiben, sondern mich darauf beschränken, hier nur etwas von meinen persönlichen Eindrücken und Begegnungen mitzuteilen: Auf meinem kleinen Bücherbord am Esstisch, stets im Blickfeld, ist Arthur Schopenhauer präsent. Neben ihm ist noch etwas Platz. Zwei Bücher habe ich gewählt, [..]
Tierschutz nur zweitrangig?
12.12.2010 10:06
In seinem Leben und in seiner Philosophie hatte sich Arthur Schopenhauer nachdrücklich für den Tierschutz eingesetzt. Zahlreiche Belege aus Schopenhauers Leben und Werken zeigen, dass Tierschutz für ihn kein nebensächliches Thema war. Schopenhauer stand damit im Gegensatz nicht nur zu fast allen anderen bedeutenden Philosophen, sondern auch zu den vorherrschenden, im Grunde tierverachtenden Auffassungen seiner Zeit. Heute werden tierabwertende Meinungen vielleicht nicht so offen zum Ausdruck gebracht, aber dennoch ist der Tierschutz kein vordringliches Thema unserer Gesellschaft. Zwar steht inzwischen der Tierschutz als Staatsziel im deutschen Grundgesetz, jedoch in der Praxis, also dann, wenn es wirklich darauf ankommt, hat der Tierschutz zumeist das Nachsehen. Andererseits gibt es zahlreiche Organisationen, von denen man annehmen darf, dass sie sich vorrrangig für den Schutz [..]
Gesundheit - kein Thema?
07.12.2010 09:12
Aus Anlass einer Erkrankung, weshalb ich übrigens auch hier beim Blog eine mehrmonatige Zwangspause einlegen musste, schaute ich mal in philosophischen Büchern nach, was diese zu dem für uns alle lebenswichtigen Thema " Gesundheit " mitzuteilen haben. So griff ich zum "Philosophischen Wörterbuch" (21. Aufl., Stuttgart 1982) und zum "Wörterbuch der philosophischen Begriffe" (2. Aufl., Hamburg 1955). Überrascht stellte ich fest, dass in beiden Standardwerken das Stichwort "Gesundheit " fehlt. Offenbar ist Gesundheit für die akademische Philosophie kein Thema, was wiederum zeigt, wie abgehoben, d. h. lebensfremd, solche Art des Philosophierens sein kann. Völlig anders jedoch bei Arthur Schopenhauer: Nicht nur gelegentlich, sondern an zahlreichen Stellen seiner philosophischen Werke ging Schopenhauer auf die überragende Bedeutung ein, welche die Gesundheit für unser Leben [..]
Religionen und Toleranz
04.09.2010 08:56
Ob und inwieweit Religionen tolerant sind, ist ein altes und dennoch aktuelles Thema. Es ist verständlich, dass in Religionen die Toleranz besonders dann ausgeprägt ist, wenn sie als Minderheit auf die Toleranz der andersgläubigen Mehrheit angewiesen sind. Das wäre jedoch dann nur Taktik und keine Tugend. Sind Religionen aber wirklich, also von ihrer Glaubensüberzeugung her, tolerant? Arthur Schopenhauer hatte da seine Zweifel und wies hierzu auf einen grundsätzlichen Unterschied hin: "In der Tat ist Intoleranz nur dem Monotheismus wesentlich: ein alleiniger Gott ist, seiner Natur nach, ein eifersüchtiger Gott, der keinem andern das Leben gönnt. Hingegen sind die polytheistischen Götter, ihrer Natur nach, tolerant: sie leben und lassen leben: zunächst dulden sie gern ihre Kollegen, die Götter derselben Religion, und nachher erstreckt diese Toleranz sich auch auf fremde [..]
Lebensweisheit : Verborgene Wahrheit
28.08.2010 09:26
Bei Arthur Schopenhauer las ich eine alte Lebensweisheit, die wohl jeder, der mit kritischem Blick unsere Welt betrachtet, bestätigen kann: Die Wahrheit steckt tief im Brunnen, hat Demokritos gesagt, und die Jahrtausende haben es seufzend wiederholt: aber es ist kein Wunder; wenn man, sobald sie heraus will, ihr auf die Finger schlägt.hb Übersicht (alphabet. in Stichworten) zu den Themen der Arthur Schopenhauer Blogs > hier Weiteres zu Arthur Schopenhauer und seiner Philosophie > hier Kommentare
Schopenhauerianer fand Ermutigung
21.08.2010 15:47
Als in Deutschland um 1840 die ersten Tierschutzvereine entstanden, war Arthur Schopenhauer einer ihrer ersten Mitglieder. Darüber war Schopenhauer mit seiner auch die Tiere einschließenden Philosophie ein geistiger Wegbereiter für die in den letzten Jahrzehnten sich mehr und mehr entfaltende Tierrechtsbewegung. Obwohl Schopenhauer dem Fortschrittsgedanken im allgemeinen eher skeptisch gegenüberstand, glaubte er, dass der Tierschutz eine Zukunft hat. Solche Gedanken gingen mir durch den Sinn, als ich heute das Vegan-Vegetarische Sommerfest besuchte, der auf einem der verkehrsreichsten Plätze in Berlin stattfand. Viele vegetarische bzw. vegane Gruppen und auch Tierschutzvereine sowie die Tierschutzpartei nahmen daran teil. Vor allem fielen mir die vielen jungen Leute auf, die auf mich einen sehr interessierten und engagierten Eindruck machten. Das lässt für die Zukunft hoffen! Im [..]
Kirche - teurer Luxus?
06.08.2010 08:03
Eine längst prophezeite Epoche ist eingetreten: die Kirche wankt, wankt so stark, dass es sich frägt, ob sie den Schwerpunkt wiederfinden werde: denn der Glaube ist abhanden gekommen, stellte schon vor über 150 Jahren Arthur Schopenhauer fest. Die steigende Zahl der Kirchenaustritte scheint Schopenhauers Ansicht zu bestätigen, aber "wankt" deshalb die Kirche? Ich bezweifele das, denn trotz erheblichen Mitgliederschwundes ist die Kirche in Staat und Gesellschaft überaus einflussreich geblieben. Auch wenn vielen Kirchenmitgliedern der Glaube weitgehend "abhanden gekommen" ist, so bleiben sie ihrer Kirche als Steuerzahler bzw. über Taufen, kirchliche Trauungen, Beerdigungen usw. verbunden. Vor allem sind die großen Kirchen durch rechtliche Privilegien und erhebliche finanzielle Förderung des Staates bestens abgesichert. Die Kirche muss sich also um ihre Existenz keine Sorgen machen, [..]
Zoodirektor - ein Tierfeind?
27.07.2010 10:37
Wer sich als Tierschützer intensiv mit der Problematik von Zoos auseinandergesetzt hat, weiß, dass diese nicht unbedingt Einrichtungen des Tierschutzes sind. Als Tierrechtler wird man die Zoos ohnehin als Stätten bloßer Zurschaustellung ihrer Freiheit beraubter Tiere ablehnen. So habe ich, was Zoos angeht, schon lange keine Illusionen. Was ich aber in der heutigen "Berliner Zeitung" unter der Überschrift "Jagd im Tierpark. Staatsanwaltschaft ermittelt wieder gegen Blaszkiewitz" las, hat mich doch schockiert: Zoodirektor Blaszkiewitz wurde von Tierschützern angezeigt, weil im Berliner Tierpark Füchse und Kaninchen illegal abgeschossen worden seien. Der Zoodirektor begründete dies mit dem angeblichen Schutz von Zootieren, was jedoch nach Meinung der zuständigen Behörde auch durch dichte Umzäunung möglich gewesen wäre. Das Verhalten des Zoodirektors, meinte Edmund Haverbeck [..]
Jean Améry und Arthur Schopenhauer
24.07.2010 10:04
Beim Durchstöbern meiner Bibliothek stieß ich auf ein Buch, das mich vor über 30 Jahren tief beeindruckt hatte und auch heute noch sehr berührt. Es ist ein 1976 unter dem Titel "Hand an sich legen" erschienener radikaler Essay über den Freitod. Sein Autor, Jean Améry , wusste worüber er schrieb, denn zwei Jahre später nahm er sich selbst das Leben - und das, nachdem er Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen überlebt hatte. Er wählte den Freitod nicht wegen mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung, denn er gehörte in den 60er und 70er Jahren zu den bedeutendsten europäischen Intellektuellen - nein, die Gründe dafür sind wohl Erkenntnisse, die er in seinem oben genannten Diskurs über den Freitod zum Ausdruck brachte. Seine Schrift beginnt mit dem Leitwort: Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen. Wie auch beim Tod die Welt sich nicht [..]
Menschen und andere Tiere
09.07.2010 11:12
Zugegeben, der Titel mag etwas provozierend sein, aber er trifft genau das Problem, nämlich den Menschen, der in seinem Hochmut daran glaubt, er sei "die Krone der Schöpfung". Ich kam auf diesen Titel, als ich in der "Berliner Zeitung" vom 17. Juni 2010 eine Buchbesprechung las, und zwar unter der Überschrift "Der Mensch ist auch nur ein Tier": Es ging dabei um ein Buch von John Gray, das in seiner deutschen Übersetzung den aufschlussreichen Titel trägt: "Von Menschen und anderen Tieren. Abschied vom Humanismus". Das Buch, so schrieb die Zeitung, sei ein "Frontalangriff auf das humanistische Weltbild". Im heutigen Humanismus würde der "Kardinalirrtum" des Christentums, der Mensch würde anders als alle anderen Tiere sein, eine Wiederbelebung erfahren. So beruhe das Menschenbild des Humanismus auf einer Illusion. Ja, sogar der Mensch selbst "ist ein in Illusionen [..]
Schopenhauer : Alles nur Zufall ?
29.06.2010 09:06
Wer auf ein langes Leben voller Ereignisse zurückblicken kann, wundert sich zuweilen, wie oft sein Leben durch einen Zufall entscheidend bestimmt wurde, ja mitunter verlief das Leben dadurch in eine ganz andere Richtung. War das alles wirklich nur Zufall? Je älter ich werde und je mehr ich über manche schicksalhafte Begebenheiten in meinem Leben nachdenke, desto bedeutsamer werden für mich die Gedanken und Einsichten, die Arthur Schopenhauer unter der Überschrift "Über die anscheinende Absicht im Schicksale des Einzelnen" geäußert hatte. Für die Frage, ob alles nur Zufall sei, müssen wir von unserem Lebenslauf ausgehen. Wenn wir dabei "manche Szenen unserer Vergangenheit genau durchdenken", dann, so meinte Schopenhauer, würde "uns alles wie in einem recht planmäßig angelegten Roman" erscheinen. Hierbei könnten manche Begebenheiten in unserem Leben, besonders wenn sie [..]
Schopenhauer : Lebensweisheit in uns
18.06.2010 10:44
Als ich wieder einmal in Arthur Schopenhauers " Aphorismen zur Lebensweisheit " las und dabei auf mein bisheriges Leben zurückschaute, stieß ich auf ein Schopenhauer - Zitat, das mich sehr nachdenklich stimmte: Übrigens gibt es in unserem Lebenslaufe noch etwas, welches über alles hinausliegt. Es ist nämlich eine triviale und nur zu häufig bestätigte Wahrheit, dass wir oft törrichter sind, als wir glauben: hingegen ist, dass wir oft weiser sind, als wir selbst vermeinen ... Es gibt etwas Weiseres in uns, als der Kopf ist. Wir handeln nämlich, bei den großen Zügen, den Hauptschritten unsers Lebenslaufes, nicht sowohl nach deutlicher Erkenntnis des Rechten, als nach einem innern Impuls, man möchte sagen Instinkt, der aus dem tiefsten Grunde unsers Wesens kommt ... Inzwischen hat auch die moderne Verhaltensforschung immer mehr Hinweise, dass Entscheidungen "aus dem [..]
Vögel haben Mitleid
02.06.2010 10:37
Mitleid , so erklärte Arthur Schopenhauer , ist eine unleugbare Tatsache des menschlichen Bewußtseins, ist diesem wesentlich zu eigen, beruht nicht auf Voraussetzungen, Begriffen, Religionen, Mythen, Erziehung und Bildung; sondern ist ursprünglich und unmittelbar, liegt in der menschlichen Natur selbst. Ich möchte Schopenhauers positiver Meinung zur menschlichen Natur nicht widersprechen, obgleich ich manche Menschen kennen gelernt habe, in deren Verhalten ich kaum Mitleid entdecken konnte. Seit längerer Zeit frage ich mich jedoch, ob Mitleid ein Gefühl ist, das nur in der menschlichen Natur liegt, also nur bei Menschen anzutreffen ist. Nun las ich dazu in der gestrigen Ausgabe der "Berliner Zeitung" einen erstaunlichen Artikel, und zwar unter der Überschrift Vögel haben Mitgefühl. Dort heißt es: "Raben gelten nicht nur als besonders intelligent, sie sind offensichtlich auch in [..]
Schopenhauer : Paradoxe Wahrheit
19.05.2010 13:26
Das Eigenschaftswort " paradox " bedeutet laut DUDEN "(scheinbar) widersinnig" oder umgangssprachlich "sonderbar". Diese Erklärung trifft auf manche Aussagen von Arthur Schopenhauer zu, denn bei oberflächlicher Betrachtung scheint gerade der Kern der Philosophie Schopenhauers mitunter widersinnig, zumindest aber sonderbar zu sein. Ob eine Aussage vielen Menschen auf den ersten Blick widersinnig oder sonderbar erscheint, sagt jedoch nichts über ihren Wahrheitsgehalt aus. Ja, es ist sogar eine alte Lebenserfahrung, dass Wahrheiten, die zunächst den üblichen Ansichten widersprechen und deshalb abgelehnt wurden, ihre Zeit brauchen, bis sie, wenigstens von Einsichtigen, als wahr anerkannt werden. So schrieb dazu Arthur Schopenhauer: In allen Jahrhunderten hat die arme Wahrheit darüber erröten müssen, dass sie paradox war: und es ist doch nicht ihre Schuld. Sie kann nicht die [..]
Schopenhauer : Gelassenheit - Gleichmut
13.05.2010 08:41
Wir alle haben wohl schon Situationen erlebt, in denen Gelassenheit die einzig angemessene Reaktion ist, um die Lage nicht noch zu verschlimmern. Gelassenheit ist, so Arthur Schopenhauer, wenn "Einer, nach vorhergegangener Überlegung, gefaßtem Entschluß oder erkannter Notwendigkeit, das für ihn Wichtigste, oft Schrecklichste kaltblütig über sich ergehen läßt oder vollzieht". Das dürfte einfacher gesagt als getan sein, denn wer bringt z. B. bei tief aufwühlenden menschlichen Auseinandersetzungen eine solche Kaltblütigkeit auf? Hingegen kann es einfach sein, gegenüber Menschen, die einem gleichgültig sind, mit größerer Gelassenheit zu reagieren. So hat Gelassenheit auch etwas mit Gleichgültigkeit zu tun, wobei jedoch beide deutlich voneinander zu unterscheiden sind. Gelassenheit hat nicht nur einen positiven Aspekt, denn sie kann auf Gefühlskälte oder, worauf Arthur [..]
Schopenhauer : Entsagung - Loslassen
06.05.2010 07:47
Keine Angst, das soll hier keine Predigt werden, obwohl Entsagung und Loslassen besonders in den Religionen von zentraler Bedeutung sind. Hier geht es im Sinne der Lebensphilosophie von Arthur Schopenhauer weniger um ein forderndes "Du sollst!", sondern vielmehr um "Was ist möglich?" Es ist eine mitunter ziemlich bittere Lebenserfahrung, dass man vieles von dem, was man haben will, nicht erhält und von dem, was man bereits hat, vieles wieder verliert. Von dieser Erfahrung ausgehend, verweist Schopenhauer auf ein Wort des altgriechischen Philosophen Epiktet: Nicht die Armut bereitet Schmerz, sondern die Begehrlichkeit. Daher wussten, wie Schopenhauer erläuterte, schon die Philosophen des Altertums, "dass die Entbehrung, das Leiden, nicht unmittelbar und notwendig hervorging aus dem Nicht-haben; sondern erst aus dem Haben-Wollen und doch nicht haben; dass also dieses Haben-wollen die [..]
Schopenhauer : Wahrheit - Anschauung - Erkenntnis
28.04.2010 08:23
Worauf beruht Wahrheit? Wie können wir sie erkennen? Wie kommt es zu einer solchen Erkenntnis? Ganz im Sinne von Arthur Schopenhauer gab dazu Pestalozzi die Antwort: Die Anschauung ist das Fundament aller Erkenntnis. Schopenhauer hatte sich hierzu ausführlicher geäußert: Es kann keine Wahrheit geben, die unbedingt allein durch Schlüsse herauszubringen wäre; sondern die Notwendigkeit, sie bloß durch Schlüsse zu begründen, ist immer nur relativ, ja subjektiv. Da alle Beweise Schlüsse sind, so ist für eine neue Wahrheit nicht zuerst ein Beweis, sondern unmittelbare Evidenz (= Augenscheinlichkeit, höchste, im Bewusstsein erlebte und zur Gewissheit führende Einsichtigkeit) zu suchen... Durch und durch beweisbar kann keine Wissenschaft sein; so wenig als ein Gebäude in der Luft stehn kann: alle ihre Beweise müssen auf ein Anschauliches ... zurückführen. Denn die ganze [..]
Schopenhauer : Lebenskraft und Gesundheit
23.04.2010 07:35
Durchaus ernst gemeint, aber dabei mit dem ihm eigenen Humor schrieb Arthur Schopenhauer: " Das heut zu Tage Mode gewordene Polemisieren gegen die Annahme einer Lebenskraft verdient, trotz seiner vornehmen Mienen, nicht sowohl falsch als geradezu dumm genannt zu werden. Denn wer Lebenskraft leugnet, leugnet im Grunde sein eigenes Dasein, kann sich also rühmen, denhöchsten Gipfel der Absurdität erreicht zu haben. Sofern aber dieser freche Unsinn von Ärzten und Apothekern ausgegangen ist, enthält er überdies den schnödesten Undank; da die Lebenskraft es ist, welche die Krankheiten überwältigt und die Heilungen herbeiführt, für welche jene Herren nachmals das Geld einstreichen und quittieren." (Arthur Schopenhauer, Zürcher Ausgabe, Parerga II, § 94) Ich glaube, Arthur Schopeenhauer hat, insbesondere was die Rolle der Ärzte und Apotheker angeht, manchem aus dem Herzen [..]
Ein Schopenhauerianer zur Tierschutzpartei
18.04.2010 16:14
Wenn man sich im Sinne von Arthur Schopenhauer dafür einsetzt, dass Tiere geschützt und geachtet werden, dann ist natürlich eine Partei, bei welcher - im Gegensatz zu anderen Parteien - der Tierschutz ein wesentlicher Programmpunkt ist, von besonderem Interesse. Dementsprechend hatte ich mich schon mal über die Tierschutzpartei in diesem Blog geäußert. Nun besteht wieder Anlass dazu, und zwar durch die Landtagswahl in NRW am 9. Mai 2010. Bereits im Vorfeld finden dazu in Blogs Diskussionen statt, an denen ich mich beteilige. Ich hoffte dort auf einen sachlich orientierten Meinungsaustausch, bei dem selbstverständlich auch Kritik an der Tierschutzpartei nicht ausgeklammert wird. Meine Hoffnung wurde schwer enttäuscht, denn in den Blogs begegnete ich zum Thema " Tierschutzpartei " nicht nur sehr viel Unverständnis, sondern ein Maß an Verunglimpfung, ja Bösartigkeit, dass es [..]
Schopenhauers Lebensweisheit : Die Stachelschweine
14.04.2010 13:08
Arthur Schopenhauer gehört zu den wenigen Philosophen, die über die engen Grenzen akademischer Fachkreise hinaus in breiten Bevölkerungsschichten bekannt wurden. Vor allem seine Aphorismen zur Lebensweisheit machten Schopenhauer seit Mitte des 19. Jahrhundert geradezu populär. Auch heute noch gibt es kaum eine Zitatensammlung oder ein Kalender mit Lebensweisheiten, der nicht wenigstens einen Spruch von Schopenhauer enthält. Mitunter wird hierbei sein Gleichnis von den Stachelschweinen erwähnt. Es bezieht sich auf ein Problem, von dem wir mehr oder weniger alle im Leben betroffen sind, nämlich unser menschliches Miteinander. Außerdem ist dieses Gleichnis bezeichnend für die Persönlichkeit Schopenhauers, der zwar nicht wie ein Eremit in Abgeschiedenheit, aber doch in einer gewissen Zurückgezogenheit lebte. Das folgende Zitat ist nicht aus Arthur Schopenhauers berühmten [..]
Schopenhauer : Mitleid und Kampf ums Dasein
08.04.2010 09:05
Für Arthur Schopenhauer war das Mitleid die "allein echte moralische Triebfeder" und damit Grundlage der Ethik. An diese Aussage Schopenhauers erinnerte ich mich, als ich in der Zeitschrift "Gehirn und Geist" (1/2009, Dossier, S. 94 ff.) las, dass nicht nur Menschen, sondern auch Primaten, ja sogar Nagetiere Mitleid empfinden können. Das ist eine für die Wissenschaft vielleicht sogar bahnbrechende Erkenntnis, denn lange Zeit wurde von Zoologen bezweifelt, dass Tiere so etwas wie Einfühlungsvermögen besitzen. Bereits das Erwähnen von Gefühlen bei Tieren galt als Ketzerei. Inzwischen belegen jedoch immer mehr Studien die empathischen Fähigkeiten von Tieren. Allerdings Tierschützer sind - vielleicht im Gegensatz zu vielen Wissenschaftlern - schon seit geraumer Zeit davon überzeugt, dass zumindest hochentwickelte Tiere ein dem Menschen durchaus vergleichbares Gefühlsleben [..]
Ein Schopenhauerianer und Veganer freut sich!
29.03.2010 09:19
Noch vor dem Frühstück hatte ich Grund zur Freude, nämlich als ich die Überschrift meiner Tageszeitung las. Nicht immer sind deren Überschriften erfreulich, aber heute morgen konnte ich mich wirklich freuen: "Schöner leben: Berlin wird Hauptstadt der Veganer" - heißt die erste Nachricht auf Seite 1 der "Berliner Zeitung". Diese in Berlin und Brandenburg viel gelesene Zeitung widmet dem Thema " Veganismus " ihre gesamte Seite 3! Bereits die Überschrift stimmte mich sehr optimistisch: "Das gute Leben. Gemüse ist das neue Fleisch: Immer mehr Menschen ernähren sich vegan - um die Tiere zu schonen. Und weil es schick ist". Jedoch nicht nur seine Überschrift, sondern auch sonst vermittelt dieser Artikel ein durchaus positives Bild der veganen Lebensweise. Ich finde, das ist ein sehr wichtiger Beitrag, weil er breite Bevölkerungsschichten erreicht und objektiv aufklärt über den [..]